Drohne hilft der Feuerwehr

Nur ein dezentes Surren ist zu hören – und da ist sie, über dem reifen Getreidefeld unterhalb des Longinusturms: eine kleine schwarze Drohne. Wie festgetackert „steht“ sie auf einer Stelle in etwa 15 Metern Höhe. Plötzlich kommt Bewegung in sie hinein, und surrend fliegt sie zu ihren „Steuermännern“, die neben dem Feld stehen. Langsam und unaufgeregt setzt das kleine schwarze Fluggerät auf dem Rasen neben ihnen auf.

Was Marcel Hinkerohe und Stephan Gorke dort über das Feld haben fliegen lassen, ist alles andere als ein Spielgerät, denn die Drohne ist nicht nur mit modernstem GPS, sondern auch mit einer Wärmebildkamera ausgestattet. Kann so zum Beispiel aus luftiger Höhe Tiere oder Menschen auffinden oder Brandnester aufspüren. Und genau für solche und ähnliche Einsätze stehen sie und ihre Besitzer parat.

Beide Männer sind seit vielen Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr Nottuln aktiv. „Die Berufsfeuerwehren haben zunehmend solche Drohnen im Einsatz“, weiß Stephan Gorke. Nur: Eine gute Drohne samt Kamera ist ein nicht unerheblicher Kostenfaktor, für freiwillige Wehren eher nicht finanzierbar. Aber er und Marcel Hinkerohe haben investiert und sind nun nebenberuflich mit der Drohne im Einsatz.

In erster Linie soll sie hilfreich sein. So werden die Beiden zum Beispiel häufiger von Landwirten angefordert. „Wir fliegen über die Felder, die geerntet werden sollen, um dort versteckte Rehkitze aufzuspüren“, erzählt Marcel Hinkerohe. Dadurch werde so manches Kitz vor dem Mähdrescher gerettet, freut er sich. Und dass den Beiden das wirklich am Herzen liegt, beweisen sie, indem sie den Service für die Landwirte kostenlos anbieten. Aber: Meist bekommen sie freiwillig eine kleine Aufwandsentschädigung von den Bauern. Schließlich hat so eine Drohne mit den Akkus Verschleißteile, in die immer wieder investiert werden muss.

Aber Kitze aufzuspüren, ist nur ein Aspekt. Noch wichtiger ist den Beiden, dass sie die Drohne für Feuerwehr- und Polizeieinsätze nutzen können. Sei es, um nach einem Unfall vermisste Personen aufzufinden oder um der Einsatzleitung bei Großbränden eine Übersicht über die Brandstelle zu verschaffen. So können dann Mensch und Material gezielter und effektiver eingesetzt werden.

Auf diese Weise konnten sie schon bei einer Gebäudeexplosion im Kreis Coesfeld die Einsatzleitung der  Feuerwehr unterstützen und gleichzeitig für die Brandermittler der Polizei Aufnahmen zur Auswertung aus der Luft machen. „Normalerweise wird dafür ein Hubschrauber eingesetzt, dessen Kosten erheblich höher wären“, so Hinkerohe.

Dass die beiden Nottulner die Drohne nicht nur beherrschen, sondern sich auch mit den gesetzlichen Bestimmungen auskennen, dafür haben sie bei der Lufthansa Luftrecht gepaukt und eine Prüfung abgelegt. Denn: „Durch den Einsatz bei der Feuerwehr gelten für uns andere rechtliche Aspekte als in der Privatfliegerei“, erklärt Gorke.

Mit wenigen gezielten Handgriffen wird die Drohne in einen schwarzen kleinen Handkoffer verpackt. Bereit für den nächsten Einsatz. Genau wie Marcel Hinkerohe und Stephan Gorke.

Abheben mit der DJI Spark: Test der Mini-Drohne

Mit der Mavic Pro landete DJI einen Volltreffer: Die Drohne ist sehr kompakt, relativ günstig und dank zahlreicher Sensoren und Assistenzsysteme einfach zu fliegen. Dann tauchten erste Fotos und Videos einer noch kleineren Drohne mit dem Namen DJI Spark auf. Anschließend wurde es offiziell und der Drohnen-Hersteller präsentierte das neue Mini-Kamera-Fluggerät – und der Name ist tatsächlich Spark, also Funke.

DJI Spark mit Gesten steuern

Auf den ersten Fotos und Videos war schon deutlich zu erkennen, dass die Spark kleiner ist als die zusammengeklappte DJI Mavic ProUnd tatsächlich ist die sie kaum größer als ein Elektrorasierer. Die vier Ausleger für die Rotoren sitzen wie vermutet fest und sind nicht klappbar, die Propeller aber wie bei der Mavic Pro faltbar. Das Gewicht beträgt laut Hersteller 300 Gramm. Damit ist die Spark die leichteste Drohne des Herstellers, liegt aber knapp über der von Bundesminister Alexander Dobrindt in seinen neuen Regeln für meldepflichtige Drohnen festgelegten Gewichtsgrenze. Die Spark benötigt also eine Plakette mit dem Besitzernamen. Eine weitere Besonderheit neben den kompakten Abmessungen: Die Spark ist komplett mit Gesten steuerbar, ohne Smartphone-App und ohne Fernsteuerung. Das klappt gut über recht eingängige Hand- und Arm-Bewegungen – perfekt für das schnelle Video oder Foto zwischendurch. Nach dem Start aus der Hand folgt die Drohne dem ausgestreckten Arm, um in die richtige Position zu kommen. Auf Winken reagiert die Drohne mit einem Foto. Zum Landen hält man die Hand unter die Drohne und sie landet darauf – gewöhnungsbedürftig, aber ziemlich cool. Mehr braucht man für die Spark eigentlich auch gar nicht.

Die Smartphone-Steuerung per App ist recht langsam und macht nicht wirklich Spaß. Mit der optionalen Fernsteuerung klappt die Kontrolle des Flugs deutlich besser. In der Luft reagiert die Spark deutlicher als größere Drohnen auf den Wind und liegt nicht ganz so ruhig und stabil in der Luft wie etwa die Mavic. Ein paar neue Modi sind an Bord: Dronie (Spark fliegt rückwärts nach oben), Kreisen (kreist um ein Objekt), Helix (Spark fliegt spiralförmig aufwärts) und Rocket (senkrecht nach oben). In jedem Modus nimmt die Drohne automatisch ein zehn Sekunden langes Video auf. Neu sind auch ein Panorama-Modus, bei dem die Drohne wahlweise ein horizontales oder vertikales Panorama aufnimmt, und der ShallowFocus. Der stellt den scharfen Bereich in den Vordergrund und lässt den Hintergrund unscharf verschwimmen – wie man es etwa von DSLRs gewohnt ist. Kleine Drohne = kleiner Akku: DJI gibt eine Flugzeit von 16 Minuten an.

Wie auch immer DJI das geschafft hat: Die Spark ist ein echter Kracher, ultrakompakt, leicht zu steuern und mit rund 600 Euro erschwinglich. Das wird vermutlich viele Drohnen-Interessierte zu einem Kauf verleiten. Bei all der Euphorie bleibt nur zu hoffen, dass sich trotz der simplen Gestensteuerung alle Drohnen-Lenker an die geltenden Regeln halten und ihr Fluggerät eben nicht einfach überall starten lassen. Denn sonst kann schnell Schluss sein mit dem großen Drohnen-Spaß.

Nicht ganz ohne: Die Drohne

Luftaufnahmen, Pakete liefern, Fernlenk-Spaß – Drohnen werden immer populärer. Allein: Die Flugsicherung sieht den Trend mit gemischten Gefühlen. Denn für Flugzeuge und Hubschrauber können die Mini-Flieger zur Gefahr werden.

Wenn die Piloten an Deutschlands größtem Flughafen in Frankfurt zur Landung ansetzen, ist alles genau geregelt. Vom Tower des Airports haben sie die Freigabe für die Landebahn, am Boden stehen Feuerwehren für den Notfall bereit und die Deutsche Flugsicherung (DFS) überwacht ständig den Luftraum. Eine Gefahr aber ist für Piloten unberechenbar: Drohnen.Ihre Zahl im deutschen Luftraum steigt stetig. Mit 600.000 verkauften Exemplaren rechnet die Flugsicherung allein in diesem Jahr – angeschafft von Hobbyfliegern, Modellpiloten und Firmen. Während manche Skifahrer ihre Künste gerne aus der Luft filmen lassen, nutzen Unternehmen Drohnen etwa beim Obstanbau, um von oben Erkenntnisse über Schädlingsbefall zu gewinnen. Der Trend, Erlebnisse in sozialen Netzwerken zu teilen, beschleunigt die Verbreitung weiter. „Die Revolution im Luftverkehr durch Drohnen lässt sich nicht aufhalten“, sagt DFS-Geschäftsführer Michael Hann.

„Wie ein Geschoss“

Das löst Nervosität bei der Behörde ebenso wie bei Piloten aus. Denn schon Drohnen für Hobbyflieger, die es für einige hundert Euro im Internet zu kaufen gibt, können bis zu einen Kilometer hoch fliegen. Dort können sie zur Gefahr werden für Hubschrauber und landende Flugzeuge. Immer wieder melden Piloten Drohnen, die sie mit bloßem Augen erst in wenigen Metern Entfernung erkennen.In diesem Jahr sei ein neuer Rekord bei der Behinderungen im Luftverkehr durch Drohnen zu erwarten, sagt Hann. Schon 2016 habe es 64 Vorfälle gegeben – fast fünf Mal so viele wie im Vorjahr.Kollisionen gab es zwar es noch keine. Doch geraten Drohnen in Triebwerke von Jets, stehen Leib und Leben der Passagiere auf dem Spiel. Auch Cockpitscheiben könnten bei Zusammenstößen bersten, warnt die DFS. Gerade die tief und schnell fliegenden Helikopter seien gefährdet. „Selbst Drohnen, die nur in der Luft stehen, wirken da wie ein Geschoss“, warnt die Flugsicherung.

Register gefordert

Sie will angesichts der technologischen Chancen von Drohnen aufklären. Sie könnten Rettungskräften bei Unfällen einen Überblick aus der Luft verschaffen und Blutkonserven ausfliegen, Pakete liefern, selbst Transporte von Menschen seien denkbar, sagt Hann. „Wir setzen nicht auf Verbote, sondern wollen die neuen Teilnehmer fair in den Luftverkehr integrieren.“ Doch gerade private Nutzer müssten besser informiert werden, „damit sie wissen, was sie tun“.

Seit April gelten zwar schärfere Gesetze. Auf vielen Drohnen müssen Name und Adresse des Halters vermerkt sein. Ein zentrales Register aber, wie von der DFS gefordert, gibt es nicht. „Wenn Hunderte Drohnen in der Luft sind, müssen wir wissen, wem sie gehören“, kritisiert sie. Zudem müsse sie Drohnen orten können. Die Angaben darauf ließen sich leicht fälschen, sagt auch Staatssekretär Norbert Barthle vom Bundesverkehrsministerium. „Da kann jeder Max Mustermann drauf schreiben.“

Ungebetene Späher

Die Flugsicherung arbeitet daher mit der Deutschen Telekom an einem Projekt, um Drohnen mit einem Chip auszustatten und Positionsdaten zu sammeln. Zwar wurde mit der Drohnenverordnung die erlaubte Flughöhe nahe Airports auf 50 Meter gedeckelt. Auch müssen Drohnen 1,5 Kilometer Abstand zum Flughafenzaun einhalten – nur hält sich längst nicht jeder dran.Drohnen bereiten auch anderen Akteuren Sorgen. „Es geht uns um Aufnahmen von Prototypen auf Teststrecken“, sagt Daimler-Sicherheitsexperte Sebastian Welzbacher. Regierungen wiederum fürchten Terroranschläge per Drohne und Gefängnisse Waffenschmuggel über Mauern hinweg. Reiche beunruhigen Flugobjekte, die über ihren Villen heimlich Fotos machen. Auf dem Baum liegen muss der Paparazzi dazu längst nicht mehr.

Teurer Schutzschild

Die Deutsche Telekom hat daher mit Industriepartnern ein Drohnen-Schutzschild entwickelt. Damit ließen sich Flugobjekte schon aus 2,5 Kilometern Entfernung per Scanner und Radar orten, wirbt Telekom-Experte Dirk Backofen. 30.000 Euro müssen Interessierte dafür mindestens ausgeben. Konkret abwehren oder mit Störsendern aus der Bahn werfen darf man Drohnen aber nur mit behördlicher Genehmigung.Aufhalten lässt sich der Siegeszug der Drohnen ohnehin nicht. Konzerne wie Deutsche Post und Amazon haben Transport-Drohnen längst getestet. Auch wenn es zu deren Marktreife noch dauert: Die Zahl der unbemannten Flieger im Luftraum wird rasant steigen und Teil des Alltags von Menschen werden. Die Piloten und Passagiere am Frankfurter Flughafen dürften daher dankbar sein, wenn ihnen neueste Technik Drohnen von der Landebahn fernhält.

Projekt „HEIDI“: Drohne als moderne Brieftaube in den Bergen

Wenn die Drohne das Paket abliefert: Die TU Graz und die Post testen seit Monaten eine Paket-Drohne in der steirischen Bergwelt. Und im Herbst soll ein autonom fahrendes Elektrofahrzeug in der Grazer Innenstadt probeweise Pakete zustellen. Alternativen zur traditionellen Paketzustellung werden an der Technischen Universität (TU) Graz getestet. Im Herbst soll ein autonom fahrendes Elektrofahrzeug in der Grazer Innenstadt erstmals in Kooperation mit der Post AG die Zustellung von Paketen erproben. Eine Testreihe mit Drohnen, die kleine Pakete in abgelegene Berggebiete lieferte, wurde jüngst abgeschlossen. Rund 80 Millionen Pakete jährlich werden von der Österreichischen Post zugestellt. Mit rund 1.300 E-Fahrzeugen in ihrem Fuhrpark ist sie zugleich der mit Abstand größte Elektro-Kfz-Betreiber in Österreich. Unter ihnen befinden sich auch rund 50 Stück des zweisitzigen Elektrofahrzeugs Jetflyer, das von der Stainzer i-Tec-Styria GmbH auf die speziellen Bedürfnisse der Post zugeschnitten wurde. Geht es nach den weiteren Plänen der Post AG, dann soll das Fahrzeug schon bald im innerstädtischen Bereich Pakete autonom zustellen können. „Wir setzen dabei auf das Know-how starker heimischer Partner“, sagte Peter Umundum, Vorstand Paket & Logistik der Post, am Montag bei einem Pressegespräch in Graz.

Die Partner sind in diesem Fall die Technische Universität Graz, i-Tec-Styria und die Energie Steiermark. Das Konzept sei bereits mit kleineren autonomen Roboterfahrzeugen am TU-Campus in der Grazer Inffeldgasse erprobt worden, führte Horst Bischof, Vizerektor für Forschung der TU, aus. „Wir hoffen, dass wir im Herbst in der Grazer Innenstadt die ersten Tests mit dem autonomen Zustellfahrzeug demonstrieren können“, so Bischof. Die Kosten für die Technologieerprobung im Bereich der Fußgängerzone teilen sich die Post AG und die Energie Steiermark.

Ein weiteres Projekt zur alternativen Paketzustellung wurde gerade beendet: Dabei wurden Drohnen als moderne Brieftauben für den im ländlichen Bereich – genauer gesagt, der steirischen Bergwelt – erprobt. Startpunkt der Drohnenflüge war das elektrobetriebene Nutzfahrzeug ELI. Das von der Stallhofener SFL Technologies entwickelte Fahrzeug ist mit einer universellen Plattform ausgestattet, die das Starten und Wiederaufladen der Drohne nach ihrem maximal halbstündigen Flug ermöglicht. Die Drohne musste selbstständig ihr Ziel – beispielsweise einen entlegenen Bergbauernhof – ansteuern, eine speziell codierte Matte am Boden erkennen und punktgenau landen, um ihr Paket abzulegen. Daraufhin musste sie zu ihrem ELI-Fahrzeug zurückfliegen und wurde für den nächsten Start bestückt. Rund 1000 Testflüge seien in den vergangenen Monaten im Projekt „HEIDI“ durchgeführt worden, „in 99 Prozent ohne gröbere Probleme“, wie Bischof berichtete. „Die technische Umsetzung hat hervorragend funktioniert“, resümierte Umundum. Allerdings könne es noch nicht rentabel zum Einsatz kommen: „Das Ganze dürfte nur ein paar wenige Euro kosten“, davon sei man aktuell aber noch weit entfernt. Dennoch wolle man am Thema „dranbleiben“.

Drohnen für Forstwirte: Fliegende Technik erobert Wälder

Rehe zählen, Schäden finden, Bäume retten: Für Drohnen kann es in freier Natur viele Aufgaben geben. Nach den Bauern entdecken auch Forstwirte die technischen Möglichkeiten.

Ein Summen wie ein Bienenschwarm, ein leichtes Pfeifen, das hohe Gras am Waldboden biegt sich aus dem Weg: Mit vier Propellern hebt die leuchtend grüne Drohne ab und steigt in Richtung der 30 Meter hohen Fichtenwipfel. Am Bauch des Flugkörpers hängt eine Infrarotkamera – mit ihr wollen Förster ihren Kampf gegen Borkenkäfer im Thüringer Wald in die Luft verlagern. Denn: Ohne neue Technik sehen sich die Förster bei der Früherkennung des Schädlings, der sich explosionsartig vermehrt und jährlich im Schnitt 100.000 Fichten in Thüringen befällt, auf verlorenem Posten.

Gesunde Kronen reflektieren anders

„Der Förster muss in den Wald reingehen, jeden Baum anschauen und prüfen, ob unter der Rinde und am Stamm Bohrmehl vorhanden ist“, erklärt Matthias Stürz vom Forschungszentrum der Landesforstanstalt in Gotha. Seit Anfang des Jahres verfolgen die Forscher deshalb ein Experiment: Mit einer Spezialdrohne der thüringischen Firma Rucon fliegen sie 30 Hektar Waldfläche bei Weimar in rund 100 Metern Höhe ab. Aus den Bildern können die Förster die Gesundheit der Bäume ablesen – befallene Bäume reflektieren die Strahlen anders als gesunde Kronen.

Entdeckung von Waldbrandherden, Zählung von Rotwild

Neben dem Erkennen von Schädlingen experimentieren die Förster auch mit der Nutzung von Drohnen für das Erkennen von Sturmschäden und die Zählung von Rotwild. Mit Drohnen könnten künftig Holzvorräte ermittelt, Holzpolter vermessen und Wildschäden dokumentiert werden. Dazu kommt die frühzeitige Entdeckung von Waldbrandherden und illegalen Bauten im Wald.

«Es ist eine Frage der Zeit, bis es zu einem Unglück kommt»

Frédéric Hemmeler staunt nicht schlecht, als ihn eines Tages ein Bauer anruft. Dieser berichtet, in seinem Feld liege eine Sprühdrohne, die Hemmeler gehöre. Zwar betreibt der ehemalige Helikopterpilot ein Unternehmen, das Drohnen für landwirtschaftliche Zwecke einsetzt und auch Pflanzenschutzmittel auf Felder verteilt. Seine Sprühdrohne aber steht zu diesem Zeitpunkt vor ihm im Büro. Das abgestürzte Objekt gehört also jemand anderem. Die Drohne war vermutlich illegal im Einsatz, denn Sprühdrohnen brauchen Sondergenehmigungen vom Bundesamt für Zivilluftfahrt und vom Bundesamt für Umwelt. Noch schlimmer als die Gesetzesübertretung war für Hemmeler die Tatsache, dass die Drohne nur 300 Meter neben einer Autobahn vom Himmel fiel und es somit pures Glück war, dass sich kein Unfall ereignete.

«Ich will nicht schwarzmalen, aber es ist eine Frage der Zeit, bis es zu einem Unglück kommt», sagt Hemmeler warnend. Als gefährlich stuft er nicht die Hobbypiloten ein, sondern die Profis. «Sie fliegen seit Jahren und sagen, sie wüssten, wie es geht. Dabei sind es genau diese Leute, welche die Regeln zwar kennen, aber nicht befolgen.» Auch in Teilen der Schweizer Bevölkerung bestehen Befürchtungen, ein Drohnenabsturz könnte einen Unfall auslösen, wie einer Umfrage der Universität Neuenburg zu entnehmen ist.

Das Gesetz wird ausgehebelt

Auch Linienpiloten von Fluggesellschaften wie der Swiss rapportieren immer mehr Sichtungen von Drohnen, allein letztes Jahr waren es 24 Meldungen. Erst diesen Mai kamen sich eine Drohne und vollbesetzter Airbus von der Swiss der sich im Landeanflug auf den Flughafen Zürich befand, gefährlich nahe. «Das heisst aber nicht, dass es immer häufiger zu gefährlichen Situationen kommt», betont Urs Holderegger, Mediensprecher des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (Bazl). Viele Vorfälle seien harmlos. «Zwischenfälle wegen Vogelschlag sind für die Luftfahrt noch immer das grössere Problem.» – Schweizweit sind schätzungsweise gegen 100 000 Drohnen im Einsatz, unter den Piloten gibt es auch einige schwarze Schafe. Auf sozialen Netzwerken wie Facebook existieren geschlossene Gruppen, in denen sich Mitglieder mit Aufnahmen von illegalen Drohnenflügen brüsten. Er habe eine solche Person einmal gebeten, einen Beitrag zu löschen, weil die Bilder in einer Zone aufgenommen wurden, in der ein Flugverbot gilt, sagt Frédéric Hemmeler. Die Reaktion des Profifotografen kam postwendend: Er müsse Geld verdienen, sein Video diene als Werbemittel. «Was gewisse Drohnenpiloten machen, ist schlicht kriminell», meint Hemmeler dazu.

Tatsächlich hebelten diese schwarzen Schafe das Gesetz aus, sagt Bazl-Sprecher Urs Holderegger. «Man kann sie nicht zur Verantwortung ziehen, weil man sie nur selten erwischt.» Gelinge es, einen Piloten ausfindig zu machen, werde er verzeigt und müsse mit einem Bussgeld in der Höhe von mehreren hundert bis tausend Franken rechnen. Entscheidend dafür, ob man jemanden zur Rechenschaft ziehen könne, sei auch, wie schnell ein Vorfall bei der Polizei gemeldet und wie exakt eine Örtlichkeit beschrieben werde, ergänzt Marc Besson, Sprecher der Zürcher Kantonspolizei. Er berichtet von nicht einmal 20 Rapporten in Bezug auf unerlaubte Drohnenflüge in den letzten fünf Jahren.

Zertifizierung möglich

Drohnen böten Chancen für Innovationen, aber es brauche klar definierte Spielregeln, um sie ins Verkehrssystem der Schweiz einzubinden, sagt der Skyguide-Mediensprecher Vladi Barrosa. Skyguide entwickle derzeit ein Konzept für ein Drohnenregister. Details dazu möchte man zum jetzigen Zeitpunkt nicht preisgeben. Diesen September sollen erste Tests aber zeigen, wie so etwas konkret funktionieren könnte. Das Bazl seinerseits treibt internationale Bestrebungen voran, Drohnen mit einem Chip auszustatten.

Drohnenspezialist Hemmeler ist allerdings gegen zu viel Regulierungs-Aktionismus. Dieser scheitere am Schluss oft an der praktischen Umsetzung, weil die Technik der Geräte nicht genügend ausgereift sei. In Frankreich beispielsweise gelte ein Gesetz, das es erlaube, Drohnen zu scannen und dadurch einem Besitzer zuzuordnen. Allein in der Praxis funktioniere dies gar nicht. Hemmeler fordert deshalb, dass Drohnenpiloten künftig wie Privat- oder Linienpiloten eine Fluglizenz besitzen. Das Bazl winkt diesbezüglich aber ab. Der Aufwand sei zu hoch, dafür habe man die Kapazitäten nicht. Zudem sei es fraglich, ob sich die Sicherheit mittels einer Hobbypiloten-Lizenz erhöhen liesse. Man halte es für sinnvoller, Drohnen in drei Kategorien einzuteilen: einen offenen Bereich mit wenig Regeln, einen eingeschränkten Bereich mit Bewilligung und einen professionellen Bereich mit Zertifikat. Seit rund einem halben Jahr ist es laut Urs Holderegger möglich, Drohnen vom Bazl zertifizieren zu lassen. Auch Piloten oder Flugmissionen sollen künftig zertifiziert werden können. Die Papiere sind international anerkannt, es gibt bereits einige Unternehmen, die Interesse daran bekundet haben. Die entsprechenden Verfahren einzuleiten, lohnt sich für Private allerdings kaum, weil die Kosten und der Aufwand dafür sehr hoch sind.

Der Luftraum wird enger

Drohnen werden am Schweizer Himmel künftig häufiger zu sehen sein, darüber sind sich das Bazl, Skyguide und Frédéric Hemmeler einig. «Der Platz im Luftraum wird enger, aber eine Harmonie ist möglich», meint Letzterer. «Die Bedingung ist aber, dass die Leute verantwortungsvoll in der Luft unterwegs sind. Dann gelingt es, Chancen auszubauen und Risiken zu minimieren.»

Drohnen gegen Herztod – Kardiologe: „Außerordentlich interessanter Ansatz“

Mit Drohnen gegen den Herztod – das schwedische Unternehmen Flypulse will so Menschenleben retten. Besonders in abgelegenen Gegenden mit schlechter Infrastruktur sollen die Fluggeräte helfen. Ein Kardiologe hält den Ansatz für erfolgversprechend, um von Herzstillstand Bedrohte zu retten.

Die Rettung beim plötzlichen Herzstillstand kommt  in der Regel auf Rädern, sie kann im Stau steckenbleiben oder bei schlechtem Verkehrsnetz erst spät am Einsatzort eintreffen – oft zu spät. Dabei müssten viele dieser Menschen nicht sterben, denn Studien zeigen, eine rechtzeitige Behandlung bei Kammerflimmern steigert die Überlebensrate von 10 auf 50 Prozent. Bald gibt es hier eine neue Form der Ersten Hilfe und die kommt aus der Luft – aber nicht als Helikopter, sondern als Drohne. Ein solches Konzept bietet seit neustem der schwedische Drohnenhersteller Flypulse an. Denn entscheidend bei Kammerflimmern ist, dass möglichst schnell ein Defibrillator am Einsatzort ist – das ist das Gerät, das dem Herz einen elektrischen Schock verpasst und die Herzrhythmusstörung behebt, ein Neustart des Herzens sozusagen. Der Drohne werde lediglich ein Ziel vorgegeben und das System rechne dann selbständig den besten Weg aus. Ein zweiter Operator überwache die Drohne während ihres Fluges und könne jederzeit die Route ändern oder ihre Landeposition korrigieren. Die Drohne transportiert einen halbautomatischen AE-Defibrillator (Automatic External Defibrillator). Dieser lasse sich auch von Laien bedienen, erklärte der Kardiologe Trappe. Es müssten nur zwei Elektroden am Brustkorb des Notleidenden angeklebt und der Defibrillator eingeschaltet werden. Alle weiteren Anweisungen gibt dann der Defibrillator an den Benutzer per Sprachbefehl weiter. Nach Ansicht von Flypulse könnten diese Drohnen in Gegenden mit schlechter Infrastruktur und medizinischer Versorgung sein. Als Beispiel nannte Wallmann Küstengegenden mit angrenzenden Wäldern und verschlungenen Straßen, in denen viele Ferienhäuser stehen. Da gebe es in Schweden und anderen Ländern einen bedeutenden Mangel an Ambulanzpersonal. Um solche Gebiete großflächig abzudecken, werden Drohnenstationen mit einem Handlungsradius von 10-15 Kilometern von Flypulse in regelmäßigen Abständen eingerichtet. Aber auch bei Staus, großen öffentlichen Veranstaltung und Sportevents, wo es schwer ist, zum Opfer zu gelangen, werden Einsatzmöglichkeiten gesehen.

DJI-Drohnen: Russischer Hack erlaubt Flüge durch Verbotszonen

Eine russische Firma bietet Modifikationen für DJI-Drohnen an. Die heben Limitierungen des Herstellers auf und erlauben unter anderem das Entern von Sperrgebieten.

Flugdrohnen liegen voll im Trend, stellen in den Händen unvorsichtiger Nutzer aber eine Gefahr dar. Um diese einzuschränken, verpassen namhafte Hersteller wie DJI ihren Drohnen Limitierungen wie etwa Geschwindigkeits- und Höhenbeschränkungen. Zudem verhindern GPS-Sensoren, dass die Drohnen in Flugverbotszonen wie Flughäfen, Militäreinrichtungen oder anschlagsgefährdete Regionen eindringen. Eine durchaus sinnvolle Maßnahme – die das russische Unternehmen Coptersafe nun bewusst aushebelt. Das bietet Modifikationen für DJI-Drohnen an, mit denen sich die Begrenzungen des Herstellers aufheben lassen.

Zum Preis von 350 US-Dollar pro Hack beseitigen Sie so etwa die Flughöhenbegrenzung von 500 Fuß – und werden damit zu einem potenziellen Hindernis für Passagierflugzeuge! Einem Medienbericht zufolge lässt sich über die Modifikation auch das GPS der Drohne gezielt austricksen. Das Resultat: Das Fluggerät erkennt Flugverbotszonen nicht mehr als solche und braust ungehindert drauf los. Die Mods sind sowohl als Hardware-Variante auf einer Platine als auch in einer Software-Version zum Download verfügbar. Von deren Einsatz sehen Sie allerdings besser ab. Das Umgehen der Sicherheitseinstellungen stellt ein hohes Risiko dar. Im schlimmsten Fall machen Sie sich bei der Drohnennutzung strafbar.

Drohnen trotz Verbots bei Nova Rock unterwegs – hohe Geldstrafe droht

Zwei Drohnenpiloten ließen ihre Drohnen auf dem Nova-Rock-Gelände aufsteigen und kamen dabei laut Polizei mit dem Luftfahrtgesetz in Konflikt.

Zwei Drohnenpiloten könnte der Einsatz ihrer Fluggeräte beim Nova Rock in Nickelsdorf im Nachhinein teuer kommen. Trotz eines Verbots ließen die beiden ihre Drohnen am Kerngelände aufsteigen und kamen dabei laut Polizei mit dem Luftfahrtgesetz in Konflikt. Die Folge: Solche Verstöße können mit bis zu 22.000 Euro Geldstrafe geahndet werden.

Die Drohnen seien bei der Blue Stage über die Menschenmenge geflogen. „Das illegale, nicht bewilligte Fliegen über so eine große Menschenansammlung stellt eine große Gefährdung dar. Darum hat die Polizei auch dahin gehend großes Augenmerk gelegt“, sagte Helmut Greiner, Sprecher der Landespolizeidirektion Burgenland, am Sonntag zur APA. Die Betreiber wurden ausgeforscht. „Sie werden bei der Bezirksverwaltungsbehörde nach dem Luftfahrtgesetz angezeigt“, erläuterte Greiner.

Drohnen: Das müssen Sie wissen!

Ob zur Überwachung, zur Forschung oder als Spielzeug für Technikfreaks: die Zahl der Drohnen nimmt in Österreich ständig zu. Welche Rechte und Pflichten mit dem Kauf einer Drohne verbunden sind, wissen viele Österreicher jedoch nicht.

aut einer aktuellen Erhebung des Kuratoriums für Verehrssicherheit (KFV) würde jeder dritte Österreicher gerne eine Drohne nutzen. Der häufigste Anschaffungsgrund für eine Drohne sei wohl der Spaßfaktor, vermutet Hartwig Löger, Vorstandsvorsitzender von UNIQA Österreich und Vizepräsident des österreichischen Versicherungsverbandes VVO. Viele kommen aus dem Wohnzimmer nicht heraus. Im öffentlichen Raum tummeln sich nach Schätzungen diverser Versicherungsunternehmen zwischen 50.000 und 100.000 Drohnen. Die Einsatzgebiete sind durchaus vielfältig und umfassen unterschiedliche Anwendergruppen von Ziviltechnikern, Kartografen oder Landvermessern über Berufsfotografen, Filmemachern bis hin zu Privatpersonen. Zwar habe es bisher in Österreich nur wenige Schadensfälle wie Glasbruch oder leichte Schnittverletzungen gegeben, doch rät Löger jedenfalls zu einer Risikoabsicherung über eine Versicherung, die für eine private Drohne ab 250 g bei etwa 100 bis 180 Euro pro Jahr liegt.

Gemäß einer aktuellen Erhebung des KFV wissen nur 58 Prozent der österreichischen Drohnen-Fans zumindest ungefähr über die rechtlichen Vorschriften bezüglich der Nutzung von Drohnen Bescheid. Vier von zehn Personen geben offen zu, nichts über die rechtlichen Aspekte der Drohnennutzung zu wissen. »Jeder zehnte Drohnen-Besitzer weiß nicht, ob seine eigene Drohne genehmigungspflichtig ist,« betont Othmar Thann, Direktor des KFV.

Vorreiterrolle Österreichs

In Österreich gilt seit 2014 das novellierte Luftfahrtgesetz, das erstmalig den Einsatz von Drohnen ermöglicht. Austro Control hat dazu Durchführungsbestimmungen erlassen, die bei der Bewilligung vor allem das Gefährdungspotential minimieren sollen. Unterschieden werden Einsatzgebiete (unbebaut, unbesiedelt, besiedelt und dicht besiedelt) und Gewichtsklassen (bis 5 kg, 5 bis 25 kg und 25 bis einschließlich 150 kg). Daraus ergeben sich unterschiedliche Kategorien und in weiterer Folge die Strenge der Auflagen. »Dabei gilt: Die Höhe des Risikos definiert die Auflagen,« erklärt Heinz Sommerbauer, CEO von Austro Control. Dieser risikobasierte Ansatz werde zudem jetzt von der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) für Europa übernommen, verweist Sommerbauer auf Österreichs Vorreiterrolle. Seit Inkrafttreten des novellierten Luftfahrtgesetzes gab es insgesamt rund 3.000 Anträge, davon wurden rund 2.400 bewilligt. 2016 gab es 1.195 Bewilligungen (2015: 410).

Rechtliche Vorschriften für Drohnen

Bis 250 g gelten Drohnen als Spielzeug und dürfen in eine Höhe von maximal 30 m aufsteigen. Bei manchen privaten Haftpflichtversicherungen sind auch Flugmodelle bis 5 kg, manchmal bis 25 kg mitversichert. Dies gilt nur für Flugmodelle (auch Drohnen) ohne Kameras. Ist eine Kamera montiert, handelt es sich ab 250 g nicht mehr um ein Flugmodell. Ab 250 g ist eine Bewilligung von Austro Control sowie eine Haftpflichtversicherung für die Drohne erforderlich. Derlei Drohnen unterliegen dem Luftfahrtgesetz, die maximal erlaubte Flughöhe beträgt 150 m bei ständigem Sichtkontakt (Klasse 1).  Ob eine Drohne anmeldungspflichtig ist, muss der Besitzer selbst feststellen (Gewicht auf dem Datenblatt).

Für die Anmeldung werden benötigt: Versicherungsbestätigung, Alter über 16 Jahre (Lichtbildausweis), Foto der Drohne, technsche Spezifikationen (Datenblatt). Orte in Flughafennähe, Militäreinrichtungen und dicht bebaute Gebiete zählen für Drohnen zu den absoluten Sperrzonen. Privatgründe dürfen nur mit Genehmigung des Eigentümers beflogen werden. Ohne Bewilligung mit einer Drohne in Österreich zu fliegen, stellt eine Verwaltungsübertretung dar, die mit bis zu 22.000 Euro geahndet wird. Nur der Vollständigkeit halber: Bei Klasse-2-Drohnen ist ein Steuern auch ohne Sichtverbindung möglich, dafür gelten andere, wesentlich strengere Auflagen.